Eisbach: surfen oder staunen

Als ich an einem kalten Januar-Tag auf der Suche nach neuen München-Tipps durch den Hofgarten schlenderte, kam mir Anton entgegen. Mit dicken Handschuhen an den Händen und einem Surfbrett unter dem Arm. Ich staunte nicht schlecht, als er mir erzählte, dass er gerade an der Eisbachwelle surfen war.


Eisbachwelle

„Was ich gerne mache wenn ich kein Geld ausgeben will, ist mit Freunden ein bisschen an der Eisbachwelle surfen. Das macht mega viel Spaß und mit Neoprenanzug ist das auch im Winter nicht zu kalt. Ich mach das schon seit ein paar Jahren.“

Surfen Eisbach München


Michelle probiert’s aus…

Okay, vielleicht heute ausnahmsweise nur zuschauen. Eigentlich will ich die Tipps, die ihr mir gebt ja immer selbst testen, aber heute gibt es drei Punkte, die doch ein wenig dagegen sprechen: 1. Es ist kalt. Bitterkalt. 2. Ich habe noch nie auf einem Surfbrett gestanden und wenn ich jetzt Anstalten machen würde, hier und heute meine ersten Surf-Versuche zu unternehmen, würde das wohl auf wenig Begeisterung der echten Surfer stoßen… 3. Außerdem so ganz ungefährlich ist das Surfen hier auch gar nicht. Ich hab gelesen, dass pro Sekunde 16-20 Tonnen Wasser aus dem unterirdischen Tunnel strömen, die dann auf eckige Granitblöcke treffen. Wenn man unglücklich fällt (und ich bin mir sicher, das würde ich tun!), wird man von den Wassermassen gegen die Steine gedrückt. Und das kann dann zu schwersten Verletzung führen. Hier zu Surfen ist anscheinend nichts für Anfänger. Ich entscheide mich also für die sichere Variante, bleibe da, wo ich festen Boden unter den Füßen habe und schaue den Profis bei der Arbeit zu. Anton war nicht der einzige Surfer, der an diesem kalten Wintertag im eisigen Eisbach gezeigt hat, was er drauf hat. Etwa zehn Surfer – jung und alt, weiblich und männlich – sind an diesem Nachmittag an der Eisbachwelle und sorgen dafür, dass die vielen Zuschauer auf der Brücke und an den Seiten des Eisbachs etwas zu sehen bekommen.

Ich bin wirklich überrascht: Auch jetzt, im tiefsten Winter und in eisiger Kälte kommen Surfer an die beliebte Eisbachstelle um ihrem Hobby nachzugehen. Klar, im Sommer ist hier die Hölle los! Es ist ein riesen Ereignis und auch eine Pflicht für jeden Münchner, mindestens einmal hierher zukommen und dem Eisbach-Treiben zuzuschauen. Im Sommer muss man oben auf der Brücke schon einen Moment suchen, bis man einen Platz gefunden hat, von dem aus man einem anderen über die Schulter gucken oder zwischen zwei Köpfen hindurchschauen kann. Wann auch immer man die Prinzregentenstraße entlang läuft – egal ob Frühling, Sommer, Herbst oder Winter – immer ist eine Schar Neugieriger da, die ein paar Eisbachwellenreitern zuschaut. Und schon allein das macht Spaß. Während man beobachtet, wie einer so lange auf dem Brett steht bis er sich nicht mehr halten kann und sich der nächste in der Schlange schon für seinen Moment bereit macht, vergeht die Zeit wie im Flug. Wäre es nicht so kalt würde ich hier stehen, bis auch der letzte Surfer vom Brett steigt, seine Sachen packt und mit dem Surfbrett unter dem Arm davonläuft.


 

 


 

 

>> Eisbachwelle // Prinzregentenstraße // Altstadt-Lehel // Bus: Nationalmuseum/ Haus der Kunst; U-Bahn: Lehel oder Odeonsplatz //mehr Infos


Viel Spaß beim Surfen oder Surfer-Bewundern wünschen Anton und Michelle!

Advertisements

Ein Gedanke zu “Eisbach: surfen oder staunen

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s